Geschichte

Die Geschichte des Feuerlöschwesens der Stadt Kleve

 

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Die Zeit von 1242 bis 1617

Seit dem zehnten Jahrhundert, der Zeit der Städtegründungen, gibt es eine Art Feuerschutz bei allen Kulturvölkern. Die Quellen aus dieser Zeit sind natürlich sehr spärlich, und somit ist es nicht verwunderlich, dass Informationen über Feuerschutz in Kleve erst aus der Zeit der Stadterhebung stammen. 1242 wird der Ort Kleve, der nachweislich bereits etwa 200 Jahre bestand, von Graf Dietrich VI zur Stadt erhoben. Aus den hiermit verbundenen Stadtrechten gehen erstmalig Aussagen über grundlegende Brandschutzmaßnahmen hervor. Unter anderem sind dort Bestimmungen über die Beschaffenheit der Feuerstätten und Dacheindeckungen getroffen. Des Weiteren beinhalten diese auch Bestimmungen über die Anlage von Brunnen und sogenannten „Poelen“, Wassersammelstellen für Feuerlöschzwecke. Jeder Bürger ist dazu verpflichtet, das Feuer und Licht (seinerzeit offene Flammen) sorgfältig zu hüten und bei Ausbruch eines Brandes in seinem Haus durch Lärm und Glockenschlag darauf aufmerksam zu machen. Tut er dies nicht, soll er mit einer empfindlichen Strafe belegt werden, die halb an die Stadt und halb an den Landesherren zu entrichten ist. Bei diesen Regeln handelt es sich dann doch mehr um Maßnahmen die eine Feuersbrunst verhindern sollen, als um einen geregelten Brandschutz oder um Anfänge einer geordneten Feuerwehr. Weitere Bestimmungen oder Einrichtungen zur Brandbekämpfung gibt es bis in die zweite Hälfte des 14 Jahrhunderts nicht und die Häuser in Kleve sind noch allgemein mit Schilf und Stroh gedeckt. Harte Dacheindeckungen werden erst nach dem ersten größeren Stadtbrand von 1371 verwendet, um die hohe Brandgefahr zu vermindern.

Die nach dem Stadtbrand erlassenen Bestimmungen setzten sich aber nur sehr langsam durch, sodass 1528 ein großer Stadtbrand durch Flugfeuer entsteht. Den Überlieferungen zufolge bricht dieser Brand am Regenbogen in der Nähe der Marktstraße aus, breitet sich dann über die Westseite des großen Marktes aus, erfasst den Heideberg, die Rahmstraße, die Stechbahn und Mühlenstraße. Der Brand kommt erst in der Hagschen Straße zum Stillstand.

 

Nach diesem schweren Schicksalsschlag für Kleve werden die Brandschutzbestimmungen verschärft. Die Bürger, die ihre Häuser mit harter Dacheindeckung, also Schiefer oder Pfannen, versehen, erhalten Zuschüsse seitens der Stadt oder es werden Baustoffe aus der Ziegelei am Pannofen zur Verfügung gestellt. Ebenfalls wird größerer Wert auf die Anzahl und Beschaffenheit der Wassereimer, Brandhaken sowie sonstiger Ausrüstung gelegt und die Bürger werden bei Erteilung des Bürgerrechts dazu verpflichtet, dem Magistrat zu versprechen, bei Brandfällen zu helfen. Aus dieser Verpflichtung des Bürgers heraus, lässt sich eine erste Art der Feuerwehr erkennen: Die Pflichtfeuerwehr, die sowohl den neuen als auch den alteingesessenen Bürger zur Hilfe verpflichtet.

 

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Die Zeit von 1617 bis 1810

 

Die ersten schriftlichen Nachrichten über weitere Verbesserungen des Feuerlöschwesens findet man in einer Wachtordung aus dem Jahre 1617. Diese beziehen sich aber auch nur allgemein auf Vorsichtsmaßnahmen, Lärmschlagen und dergleichen. Im Jahre 1619 findet man bereits amtliche Feuer-und Brunnenmeister, die bei der Verteilung der Ämter des Bürgermeisters mitgewählt wurden. Dies sind 24 Männer, jeweils 12 Feuermeister und 12 Brunnenmeister, über deren genaue Aufgaben oder Befugnisse keine Informationen mehr vorliegen. 1717 erscheint erstmalig eine preußische Feuerordnung, erlassen von Wilhelm I., die für sämtliche preußischen Städte gelten soll. Diese Feuerordung regelt das Feuerlöschwesen in einer für diese Zeit mustergültigen Weise. 37 Abschnitte regeln umfassend den Feuerschutz und die Gefahrenabwehr. Eingehende Bestimmungen beschäftigen sich mit den Dienstobliegenheiten der Feuerherrn sowie der Brand- und Püttmeister.

Die Stadt Kleve ist in sechs Quartiere eingeteilt.: Hagsches-, Kirchstraßen-, Marktstraßen-, Heidebergsches-, Große Straßen-, und Unter-Haßenquartier, wobei das Unterstraßenquartier hauptsächlich das Gebiet jenseits des Spoykanals umfasste. Aus Berichten des Stadtarchives von 1700 bis 1800 war ersichtlich, dass die Marktstraßenkompanie das wohl wichtigste Quartier darstellte. Die Maurer-, Zimmermeister und Pfannendecker mussten einem Brand bis zum Schluss beiwohnen. Taten sie dies nicht, drohte ihnen der Verlust ihres Gewerbes. Wer zuerst an der Brandstelle erschien, erhielt einen Reichstaler, der Zweite 40 Stüber, der Dritte 30 und der Vierte 20 Stüber. Wer von den Müllern und sonstigen Fuhrleuten zuerst an der Brandstelle eintraf, erhielt 2 Reichstaler. Grund hierfür könnte wohl sein, dass die Fuhrwerke zur Heranschaffung von Wasser, Ausrüstung und Personal gebraucht wurden.

 

 

Im Jahre 1752 wird eine neue Anweisung für die Brandwehren herausgegeben, die 1762 durch eine Schloss Kompagnie erweitert werden. Bis 1772 bleibt diese Verordnung in Kraft, obwohl der Magistrat seit 1751 an einer neuen Verordnung berät, die er im Dezember des Jahres 1771 überreicht und die am 28.July 1772 von Friederich dem Großen in Berlin genehmigt wird. Diese neue Verordnung erscheint unter dem Namen „Feuer- und Brandordnung für die Stadt Kleve“ und umfasst sieben Artikel mit insgesamt 64 Paragraphen sowie einer Beilage mit 14 Nummern. Hieraus lässt sich unschwer erkennen, dass dies ein ziemlich umfangreiches Schriftstück war. Diese Verordnung hatte nur für Kleve Geltung und sollte die Standards der großen Städte wie Berlin auch in Kleve einführen. Insbesondere unvorschriftsmäßigen Schornsteinen sowie Dacheindeckungen aus Schilfrohr oder Stroh gilt diese Verordnung. Interessanterweise ist das Rauchen an vielen Orten, insbesondere aber auf der Straße, verboten. Zuwiderhandlungen wurden mit Arrest bei Wasser und Brot bestraft. Brennende Pechfackeln durften nachts ebenso wenig mitgeführt werden, wie bei feierlichen Anlässen oder Begräbnissen (auf dem Weg zum Friedhof). Erstmalig werden die Klever Schuster erwähnt, die ausgerüstet mit „Pfriem und Pechdraht“ zur Brandstelle eilen sollten, um schadhafte Schläuche zu flicken. Die Bürger sollen sich mit „Haardecken“ zur Einsatzstelle begeben und diese dem Schornsteinfegermeister aushändigen, damit er die Kaminfeuer damit ersticken konnte. Dieser musste die Decken „nass herunterstoßen“. Erstmalig erhält man in dieser Verordnung einen Eindruck über die Größe der Kompagnien bei einem Einsatz. Die Rettungskompagnie soll aus einem Kapitän und sechzig Mann bestehen. Die Stärke der Löschkompagnie richtet sich nach der Stärke des Brandes, muss aber mindestens vierzig Mann betragen. Dazu kommen noch der Kapitän, der Spritzenmeister und ein Schuhmacher der Schuhmachergilde. Die vier anderen Kompagnien stellen Wassermannschaften je nach Bedarf. Addiert man einmal die Anzahl der Einsatzkräfte, so befinden sich an jeder Einsatzstelle mindestens 100 Mann. Bedenkt man aber, dass es zu dieser Zeit noch keine maschinenbetriebenen Pumpen oder aber eine entsprechende Wasserversorgung gab, relativiert sich diese Zahl sehr schnell, denn das Wasser musste in Eimerketten zur Einsatzstelle gebracht und mit Muskelkraft verpumpt werden.

Von größeren Bränden im achtzehnten Jahrhundert erfährt man nur wenig. Aus dem Jahre 1758 wird von einem Brand im Schloss und 1793 von einem Brand auf der Wasserstraße berichtet, bei dem ein Brauhaus eingeäschert wurde.

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Die Zeit von 1810 bis 1900

 

Im Jahre 1810 erlässt der Bürgermeister der Stadt Kleve eine neue Polizeiverordnung über das Feuerlöschwesen in der Stadt Kleve. Im Vorwort zu dieser neuen Verordnung wird klar gesagt, dass es den bisherigen Verordnungen von 1717 und 1772 zu verdanken sei, dass die Stadt Kleve mehr als ein Jahrhundert von großen Feuersbrünsten verschont blieb. Wie auch schon in den vorangegangenen Verordnungen werden auch hier wieder die Maurer, Zimmers Leute, Schornsteinfeger und Schuster verpflichtet, mit ihrem Handwerkszeug der Brandstelle zu erscheinen, um Schornsteine einzureißen und Eimer sowie die Schläuche die Feuerspritzen zu flicken. In einem Artikel dieser Verordnung wird der Stadtbote dazu verpflichtet, bei einem Brand in der Nähe des Rathauses, sofort dort hin zu eilen, um gegebenenfalls das Archiv zu retten.

Für die Schwanenburg sind in dieser Verordnung eine besondere Sicherungsmaßnahme vorgesehen, da man diese während dieser Zeit, bedingt durch die Fremdherrschaft, verkommen lässt.

Ansporn als erster an der Brandstelle zu sein, gibt diese Verordnung in Form von Belohnungen, die gemessen am damaligen Geldwert ziemlich hoch waren. Diese Verordnung blieb bis 1837 in Kraft und scheint gut funktioniert zu haben, da aus dieser Zeit von keinem größeren Brande berichtet wird.

 

Am 30. Mai 1838 wird eine neue Feuerlöschordnung für die Stadt Kleve erlassen, die in 27 Paragraphen den Feuerschutz, in einer für diese Zeit ausgezeichneten Weise, regelt. Im Paragraphen 1 wird die Gestaltung der „Löschanstalt (so etwas wie Feuerwehr) geregelt. Sie besteht aus dem Brandrat, der sich aus dem Bürgermeister, den Beigeordneten, dem Stadtbaumeister und den Spritzenaufsehern zusammensetzt, und dem Brandcorps. Das Brandcorps besteht aus drei Kompagnien: Die erste Kompagnie bestehend aus dem Spritzenwärter, sieben Spritzenmeistern, neunzig Mann und sieben Spritzen. Die zweite Kompagnie wird durch die Bauhandwerker, fünfzig Mann, mit vier Anführern gestellt. Die dritte Kompagnie, die für Ordnung und Rettung zuständig ist, setzt sich aus fünfzig Mann, vier Anführern und den Brunnen- und Püttmeistern zusammen. Die Gesamtstärke des Brandcorps berät somit rund 225 Mann. Bei einer Einwohnerzahl von etwa 7450 Personen entfällt somit auf 33 Einwohner ein Feuerwehrmann.

 

Im Jahre 1865 wird eine neue Feuerlöschordnung erlassen, da die alte Verordnung nicht mehr den jetzigen Verhältnissen der Stadt entspricht. Im Großen und Ganzen schließt sich diese neue Verordnung der vorherigen an. Das Brandcorps wird nunmehr in vier Kompagnien aufgeteilt. Der Löschkompagnie mit zehn Spritzen, zehn Spritzen-meistern und 136 Mann, der Rettungskompagnie mit 25 Mann einem Führer sowie der Ordnungskompagnie mit 50 Mann und einem Führer. Neu ist die Wasserkompagnie mit 78 Mann und einem Führer. Die Stärke des Brandcorps beträgt nunmehr rund 300 Mann, womit auf jeden 28. Einwohner ein Feuerwehrmann entfällt.

 

Im Jahre 1866 bildet sich neben der Kommunalfeuerwehr auch noch eine Turnerfeuerwehr als erste freiwillige Feuerwehr in Cleve durch den Turnverein von 1863. Nach den amtlichen Aufzeichnungen besteht diese im Jahre 1869 aus fünfzig Mann unter dem Turnchef, aus einer Spritzenkolonne zu sechzehn Mann mit einer Spritze, einer Steigerkolonne zu vierzehn und einer Rettungskolonne zu zwanzig Mann. Die Turnerfeuerwehr besteht aber nicht als selbständige Wehr, sondern sie bildet eine Abteilung der Kommunalwehr ist dieser als dritte Kompagnie (Rettungskompagnie) angegliedert.

 

Die Jahre 1865 erlassene Feuerlöschordnung bleibt bis 1878 in Kraft. Am 1. Oktober 1878 erlässt der Bürgermeister Corneli eine neue Ordnung: „Das Reglement über das Feuerlöschwesen der Stadt Kleve“ und in Ausführung dieses Reglements die „Instruktion für die Feuerwehr der Stadt Cleve“

 

Das Feuerlöschkorps besteht aus drei Abteilungen, die folgende Aufgaben haben:

  1. die Abteilung zur Bedienung der Spritzen und Beschaffung des Wassers
  2. die Abteilung zur Bedienung der Hydranten
  3. die Rettungsabteilung

 

Die Ausführungsinstruktion regelt die Zusammensetzung der einzelnen Abteilungen, wonach sich die Stärke der Wehr, bei einer Einwohnerzahl von rund 10450, auf insgesamt 110 Mitglieder beläuft, also auf 95 Einwohner ein Feuerwehrmann.

Am 1. November 1878 wird noch eine besondere Polizeiverordnung bezüglich des Feuerlöschwesens erlassen. Von dieser Verordnung interessiert hier am meisten die Bestimmung, dass während eines Brandes die private Wasserentnahme, mit Ausnahme der für den Betrieb der Dampfkessel dienenden Leitungen, einzustellen ist. Längere Zeit erfährt man nichts mehr von der Wehr. Um 1880 etwa scheint die Turnerwehr wohl noch kaum tätig zu sein.

 

 

Im Jahre 1895 ersieht man aus einer Nachweisung des Bürgermeisters Broekmann, dass seit 1878 keine besondere Änderung im Feuerlöschwesen eingetreten ist. Aus einem früheren Berichte des Bürgermeisters Broekmann aus dem Jahre 1893 geht hervor, dass die Wehr um diese Zeit in keiner besonderen Verfassung mehr gewesen ist. Gleichzeitig wird berichtet, dass eine Neuorganisation beabsichtigt sei, mit der man es aber nicht besonders eilig hatte, da sich mehrere Jahre lang nichts änderte.

 

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Kleve

Gründerbuch

                                                                      

Im Archiv der Stadt Kleve konnte zunächst ein Artikel aus dem Clever Volksfreund gefunden «den, der am Tage nach dem Brand erschien. Aus dem noch im Original vorhandenen Gründerbuch geht eindeutig hervor, dass die „ Freiwillige Feuerwehr zu Cleve „ am 23. Januar 1900 ins Leben gerufen wurde. Direkt auf den ersten Seiten des in Sütterlin geschriebenen Gründerbuchs steht der eigentliche Grund, der zur Gründung führte.

Auslöser war ein Brand auf der Stechbahn, der einen Journalisten der Rheinisch Westfälischen Zeitung dazu veranlasste, „das Feuerschutzwesen in geradezu bloßstellender Kritik“, sowie die Vorkommnisse bei dem Brand in übertriebener und gar nicht der Wahrheit entsprechender Weise darzustellen.

 

Die Zeit von 1900-1925

 

Das erste öffentliche Auftreten der neu gegründeten Wehr fand als Generalappell auf dem Großen Markt am 6. Mai 1900 statt, wo sie dem damaligen Bürgermeister Broeckmann und den geladenen Gästen vorgestellt wurde. Den ersten Einsatz hatte die Wehr bereits am frühen Morgen des folgenden Tages. Das Brandsignal rief die neue Wehr auf die Brandstätte Verhoeven in der Brienerstraße. Die Wehr eilte dorthin und löschte mit obrigkeitlicher Genehmigung – war sie doch gerade an diesem Tage mit ihren Einrichtungen vom Regierungspräsidenten genehmigt worden – den Brand in kurzer Zeit. Ein gutes Vorzeichen für den Geist der Wehr war die Tatsache, dass bereits vor ihre Genehmigung die Höchstzahl von 100 aktiven Mitgliedern erreicht war. In den ersten Jahren fanden die Übungen der Steigerabteilungen an der Münze statt. Im Jahre 1901 wurde der Plan der Aufstellung eines Steigerturmes erwogen. Die Fertigstellung erfolgte im August 1902. Was die Stärke der Wehr in den ersten 10 Jahren ihres Bestehens betrifft, hatte sie während dieser Zeit durchschnittlich 98 aktive und 345 inaktive Mitglieder. 1903 erhielt die junge Wehr eine mechanische Leiter.

 

Ende des Jahres 1922 fasste man die Beschaffung eines Automobillöschfahrzeuges ins Auge, das für Kleve dringend notwendig war. In der Generalversammlung, die am 30. Januar 1925 im Saale des Restaurants Pauls auf dem Großen Markt stattfand, machte Bürgermeister Dr. Wulff der Wehr die erfreuliche Mitteilung, dass das Automobil Löschahrzeug gesichert sei und der Freiwilligen Feuerwehr im Oktober 1925 in feierlicher Weise übergeben würde.

Als Jubiläumsgeschenk der Stadt Kleve bekam die Wehr eine von der Firma Metz in Karlsruhe hergestellte Automobilspritze mit einem Anschaffungswert von 32 000 M. Zu Ehren des damaligen Vorsitzenden Clemens Brohl erhielt die Autospritze den Namen „Clementine“. Ein Probespritzen bei der Taufe zeigte so recht, welche riesigen Kräfte in dem roten „Ungeheuer“ schlummerten. Brandmeister Willy Dyckmans setzte als erster die Maschine in Gang und es entströmten ihre Wassermengen von derartiger Gewalt, dass alles, was sich ihnen in den Weg stellte, hinweggefegt wurde. Mit mehreren Schlauchleitungen zugleich erzielte man in der Waagerechten Weiten bis zu 60,00 m und in der Senkrechten Höhen bis zu 40,00 m

 

Im August 1914 Jahres brach der Weltkrieg aus. Über die Tätigkeit der Wehr während dieser Zeit sind nur spärliche Aufzeichnungen vorhanden. Aber auch in den schweren Kriegsjahren hat sich die Wehr bei den mannigfachsten Anlässen stets in den Dienst der Allgemeinheit gestellt.

 

Am 29. August 1929 konnte Bürgermeister Dr. Wulff der Wehr ein neues Feuerwehrheim auf dem Hof der neuen Kaserne übergeben. Das Feuerwehrheim hat dann bis zum 7. 10. 1944 seine Dienste getan bis es durch Bombenangriffe zerstört wurde.

 

Der Übergang vom 2. zum 3. Reich war für die Wehr insofern unangenehm, als ihr 1932 sofort Teil der städtischen Haushaltsmittel gestrichen wurde. Man sah aber bald ein, dass ohne eine einsatzbereite Wehr nicht mehr auszukommen würde und schon nach kurzer Zeit traten wieder normale Verhältnisse ein.

Die Wehr wurde per Gesetz zur Hilfspolizeitruppe und führte die Bezeichnung Freiwillige Feuerwehr der Stadt Kleve. Die Wehr verfügte über 1 Löschfahrzeug, LF 25, 1 Löschfahrzeug LF8 mit Tragkraftspritzanhänger, 1 Tragkraftspritzenanhänger TSA 1 Mannschaftstransportwagen mit Schlauchwagen als Anhänger, 1 Mannschaftswagen mit Schlau- und Leiterwagen als Anhänger und Ausrüstung 150 Mann.

 

 

Die Kriegsjahre des 2. Weltkrieges

 

Dann begann das gewaltige Völkerringen, an dem die Klever Wehrleute, wie auch alle übrigen Wehren des Kreises, in nie gekanntem und auch mir annähernd geahntem Umfange beteiligt werden sollten. Im Januar 1940 konnte noch bei Sonnenschein im Tiergarten das 40-jährige Bestehen in bescheidenen Rahmen gefeiert werden. Bürgermeister Ebel versprach der Wehr die Anschaffung ein Autodrehleiter. Sie wurde sofort bei der Firma Metz in Karlsruhe in Auftrag gegeben, doch gestatteten die Kriegsverhältnisse es der Firma nicht mehr, Autoleitern anzufertigen; dafür erhielt die Wehr aber eine gute fahrbare Motorspritze.

Bereits in der Nacht vom 1. zum 2. Pfingsttage 1940 gab es in der Sackstraße nach Bombenwürfen die ersten Toten. Eine Frau konnte noch unversehrt aus den Trümmern ihres Hauses geborgen werden. Schon bald nachher wurde die Wehr während der Nachtzeit nach Emmerich gerufen wo das ganze Hafenviertel und der Güterbahnhof in Flammen standen. Zahlreiche Öltankbrände

entwickelten Rauchwolken, die ein erfolgreiches Arbeiten kaum ermöglichten. Unserer Wehr wurde die Ablöschung eines Sägewerks mit anschließendem größerem Holzlager übertragen. Diese Aufgabe war von nachts 3 Uhr bis mittags 12 Uhr erledigt. Durch die andauernden Einberufungen war die Wehr personell so geschwächt, dass man zur Dienstverpflichtung von ortsansässigen Bürgern übergehen musste. Da stand nun der Doktor neben dem Gärtenarbeiter, der Ingenieur oder Architekt an der Seite des Bauarbeiters, der Handwerksmeister neben seinem Gesellen und dennoch erstand zu jener Zeit ein Kameradschaftsgeist nie gekannten Ausmaßes. Den wackeren „Reservisten“ sei heute noch für ihre lobenswerte Hilfe gedankt. Auch eine Jugendwehr mit 30-40 jungen Leuten wurde gegründet, sodass die Wehr eine Stärke von 180-200 Mann aufweisen konnte. Das ständige Überfliegen sowie das zeitweise Abwerfen von Bomben und die dadurch erforderlich werdenden andauernden Alarmierungen veranlassten die Wehrführung zur Einrichtung eines besonderen Lösch- und Bergungstrupps, kurz gesagt L. u. B.-Trupp. Bei jedem Alarm hatten diese Männer sich sofort zum Gerätehaus zu begeben, um von dort aus unmittelbar eingreifen zu können. So kam es vor, dass diese Männer manchmal 4-5 Nächte der Woche fern ihrer Behausung ausharrten, Ihre Arbeit, vor allen Dingen in den letzten Kriegsjahren, verdient, besonders hervorgehoben zu werden. Die Wehr wurde in dieser Zeit fast wöchentlich alarmiert. Aber alle vorgenannten Brände sind im Entferntesten nicht mit dem zu vergleichen, was am 7. Oktober 1944 über unsere Vaterstadt hereinbrach.

 

Der 7. Oktober 1944

Es war Samstagnachmittag gegen 14 Uhr, als der Bombenhagel auf uns niederfiel und innerhalb von 30 Minuten die alte Herzogstadt in Schutt und Asche legte. Eine Alarmierung war unmöglich. 13 brave Reservisten lagen zerschmettert am
Boden, bevor sie selbst ihren Mitmenschen Hilfe
bringen konnten. Der Übungsplatz vor den Gerätehäusern war von
Bombentrichtern übersät.
Keine Motorspritze ließ sich mehr herausbringen, aber es gab auch kein Wasser mehr. Es wäre auch zwecklos gewesen, mit Geräten auszurücken, denn alle Straßen der inneren Stadt waren teilweise haushoch mit Trümmern bedeckt, wodurch jedes Befahren unmöglich gemacht wurde. Und dennoch sollte in Erfüllung
gehen, was den Wehrleuten immer und immer wieder eingetrichtert worden war „dem Nächsten zur Wehr“. Jeder griff unter heute kaum noch begreiflichen Umständen an, wo er zufällig stand. Es ging
darum, soviel Menschenleben aus den Trümmern zu bergen als möglich war, und wahrlich nicht wenige Bürger verdanken ihr Leben den wackeren Feuerwehrmännern, die ihr eigenes. „Ich“ in den Hintergrund stellten. Näher hierauf einzugehen verbietet die stets geübte Bescheidenheit und Zurückhaltung jedes einzelnen Wehrmanns. Erst am nächsten Tage (Sonntag) in der Frühe konnten die Verletzten, die vorsorglich in erhalten gebliebene
Bunker untergebracht waren, zum Feuerwehrheim getragen und von dort aus mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus nach Bedburg geschafft werden.

Doch der 7. Oktober 1944 sollte nicht allein der Tag des Unheils bleiben.
Genau 4 Monate später, am 7. Februar 1945, fegte das Unglück abends gegen 22.30 Uhr nochmals über unsere Stadt hinweg. Dieses Mal traf es hauptsächlich das Kermisdahlviertel sowie die Gegend zwischen Nassauer- und Materborner-Allee. In diesem Viertel waren auch die letzten 12 Wehrleute unserer stolzen Wehr einquartiert, die sich geschworen hatten, ihre Vaterstadt in der Stunde größter Not und Gefahr nicht zu verlassen und bis zur letzten Minute ihre Pflicht zu tun. Für eine kurze Pause in ihre Unterkunft zurückgekehrt, wurden sie hier vom Bombenhagel überrascht und restlos unter den Trümmern begraben. Die Männer konnten sich aber, bis auf einige schwerer Verletzte, wieder herausarbeiten und den Dienst aufnehmen. Der Wehrführer in Begleitung seines Geschäftsführers fand sie nachts um 3 Uhr vor der Villa Hoffmann, als man im Begriffe war, 9 verschüttete junge Leute aus dem zerstörten Hause zu holen. Da diese tapferen Männer, die nur durch einen besonders glücklichen Zufall dem sicheren Tode entrinnen konnten, in dem völlig zerstörten Quartier ihr gesamtes Hab und Gut verloren hatten, mussten bei den zerrissenen Uniformstücken als Stahlhelm ein Taschentuch und als Schaftstiefel ein paar Hauspantoffeln oder halb Stiefel halb Pantoffel dienen. Die verletzten Kameraden wurden in derselben Nacht zum Hospital nach Bedburg gebracht. Was diese Männer in den Monaten nach dem 7. Oktober 1944 für ihre Vaterstadt geleistet haben, verdient der Nachwelt erhalten zu bleiben. Ihr Einsatz ist für die späteren Generationen ein nachahmenswertes Beispiel echten Feuerwehrgeistes und treuer Pflichterfüllung bis zur letzten Konsequenz. Am Morgen des Februars 1945 endete dann für kurze Zeit das Feuerlöschwesen der Stadt Kleve.
Kaum aber waren die Bürger aus Bedburg wieder heimgekehrt, als auch schon treuen Kameraden mit den Worten zusammenfassen: „Wei welle mer wär anfange“

 

Der Wiederaufbau von 1945-1950

 

Kaum waren die Schreckenstage der kriegerischen Ereignisse über uns hinweggebraust und die Bedburg untergebrachten Bürger im April 1945 wieder in die Trümmer ihrer geliebten Vaterstadt zurückgekehrt, da traten sofort auch unsere Feuerwehrleute wieder auf den Plan. Die Zahl war noch gering, aber der Geist war noch der alte, er war in ihren Herzen lebendig geblieben. Ihre eigenen Angelegenheiten zunächst zurückstellend, sahen sie in zu als junger Feuerwehrmann gelernten Pflichterfüllung im Dienste ihrer Mitmenschen ihre Hausaufgabe und das Gebot der Stunde. Sie erkannte die dringende Notwendigkeit, dass der Bevölkerung, die ihr Hab und Gut durchweg ganz oder teilweise verloren hatte, nicht auch das noch verloren gehen dürfe, was sie mühselig gerettet hatte. Und wer war zum Schutze dieser letzten Habseligkeiten wohl mehr berufen als die Feuerwehr.

 

Acht Großbrände und ein Waldbrand fallen in die Zeit von April bis August 1945, an deren Bekämpfung sie zusammen mit Angehörigen der englischen Besatzungsmacht und englischen Geräten teilnahmen. Teilweise standen sie infolge ihrer fehlenden Ausrüstung dem wütenden Element machtlos gegenüber, und was das für einen Feuerwehrmann bedeutet, kann nur der beurteilen, der einmal selbst am Stahlrohr gestanden hat. Dann aber kam der Tag, an dem die Wehr, die seit 1945 aus den Löschzügen Kleve, Kellen und Materborn besteht, wieder hoffen durfte. Am 22. 08. 1945 traf für den Löschzug Kleve die neue Motorspritze, ein LF 25, ein und 4 Wochen später erhielt der Löschzug Kellen seinen Gerätewagen. Leider waren diese Fahrzeuge nur mit Armaturen, nicht aber mit Schlauchmaterial versehen, so dass sie für den eigentlichen Löschdienst zunächst noch wertlos gewesen wären, wenn die Wehrleute in Erkenntnis der dringenden Notwendigkeit nicht gleich nach ihrer Rückkehr das umherliegende Schlauchmaterial gesammelt und sicher gelagert hätten.

 

Ein besonderes Lob hierfür gebührt dem Gerätewart August Scholten vom Löschzug Kellen, der den größten Teil des Schlauchmaterials zusammengetragen und sofort auf die Brauchbarkeit überprüft hat. So kam es, dass die Wehr in kurzer Zeit wieder über 300 m B-Schlauch und 700 m C-Schlauch verfügte, und die Fahrzeuge dadurch bei ihrem Eintreffen sofort einsatzfähig gemacht werden konnten. Dadurch war es den Wehrleuten, wenn auch noch ohne Uniform, so doch mit eigenem Material möglich, jeden Brand wieder wirksam bekämpfen zu können. Ende 1947 konnte dann mit 10 Blusen der Anfang in der Neubeschaffung der Uniform gemacht werden.

 

März 1949 folgten weitere 80 Pilotanzüge und erfreulicherweise hat die Stadtvertretung in diesem Jahre die Mittel bewilligt, die für die Neu-Uniformierung der gesamten Wehr und die Beschaffung der Instrumente für den neu ins Leben gerufenen Spielmannszug erforderlich waren. Dadurch ist die Wehr ein ganz erhebliches Stück vorwärts gekommen, denn bekanntlich steht und fällt jede Feuerwehr mit der Uniform. Sie erst schafft die Voraussetzung dafür, dass die Wehrleute ihren schweren Dienst so verrichten können, wie er von ihnen verlangt wird. So rückt die Wehr in der Zeit von Ende 1945 bis Mitte Juli 1950 zu 27 Kleinbränden, davon 4 auswärts, 11 Mittelbränden, davon 2 auswärts, 24 Großbränden, davon 9 auswärts, 54 Waldbränden und 2 Heidebränden, 8 Kaminbränden, 14 Bunkersprengungen, davon 13 auswärts, 14 Hochwasserbekämpfungen, alle auswärts, 21 Keller auspumpen, 2 Eisenbahnunfällen, 4 Sturmschäden und 2 Suchaktionen nach Ertrunkenen aus.

 

Theo Hübecker übergab 1959 die Leitung der Wehr an Hans Kalker, der Ausbildung und Ausrüstung der Wehr fortsetze. Unter seiner Leitung wurden ein Kommandowagen, eine Drehleiter und ein Ölunfallwagen beschafft. Besonders am Herzen Lagen Wehrführer Kalker die Planungen für eine neue Feuerwache. Nach 43-jähriger Dienstzeit übergab Hans Kalker 1969 die Wehrführung an Paul Broekmann, der bis dahin die Feuerwehr Kranenburg leitete. Paul Broekmann lag die Feuerwehr im Blut, denn er ist ein Urenkel des Mitbegründers der Feuerwehr von 1900, Bürgermeister Broekmann. Sein Stellvertreter als Wehrführer wurde Theo van Bebber aus Materborn. Den Löschzug Kleve leitete stellvertretend Heinz Nuy – der seit 1947 Mitglied des Löschzuges Kleve war. Die 1969 in Kraft getretene Kommunalreform brachte für die Klever Wehr große Veränderung mit sich. Mit weiteren 11 bisher selbstständigen Gemeinden wurden die Stadt Kleve und somit acht weitere Feuerwehren zusammengeschlossen. Im Jahre 1972 wurde dann die neue Feuerwache in Kleve in Betrieb genommen. Die Feuerwache wurde als kombinierte Feuer- und Rettungswache ausgelegt, da der Rettungsdienst ebenfalls durch die Freiwillige Feuerwehr ausgeführt wurde. Hierzu gab es 20 hauptberufliche Rettungssanitäter, welche bis 1996 die medizinische Notfallversorgung sicherstellten. Der Notruf 112 für die Stadt Kleve die Gemeinde Bedburg-Hau und Kranenburg wurde ebenfalls in der neuen Wache angenommen. Dies änderte sich 1998 mit der Reform des FSHG. Seit 1998 läuft der Notruf für den gesamten Kreis bei der Kreisleitstelle auf.

1991 endete die Amtszeit von Stadtbrandmeister Paul Broekmann, der die Wehrführung an Stadtbrandmeister Jürgen Pauly übergab. Während seiner langen Dienstzeit hat Paul Broekmann die einzelnen Löschzüge u. Löschgruppen zusammengebracht und technischen auf den nötigen Stand gehalten. Er wurde bei seiner Entlassung aus dem aktiven Dienst zum Ehrenstadtbrandmeister ernannt und steht seit dieser Zeit der Alters- und Ehrenabteilung vor.